Wie konnte Donald Trump so viele Menschen für sich gewinnen?

Trump

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Für mich gibt es aus psychologischer Sicht mehrere Gründe. Trump hat die Menschen eingelullt, fast schon hypnotisiert. Lasst mich erklären, was ich damit meine: Diese Art der Suggestion funktioniert bei dem, der dafür offen ist. Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger, bei manchen gar nicht. Diese Beeinflussbarkeit ist unabhängig von gesellschaftlichem Status, Bildungsstand oder Geschlecht. Ob Führungskraft in einem Großunternehmen oder kleiner Zuarbeiter in einer Pommesbude, wenn die richtigen Reize gesetzt sind, reagiert jeder, der einen Rezeptor dafür hat.

Trump ist ein charismatischer Mann. So wie viele Menschen in der Weltgeschichte charismatisch waren. Wichtig: Charisma ist im landläufigen Sinne gleichzusetzen mit Ausstrahlung. Es impliziert nicht, dass derjenige eine positive Ausstrahlung haben muss, sondern, dass er Menschen in den Bann zieht, sie ihn wahrnehmen und die Aufmerksamkeit auf ihm ist. Genauer auf Charisma einzugehen, müsste man von Stimme, Gesten, Mimik, Körperhaltung gepaart mit innerer Einstellung bzw. Ziele sprechen. Wie positives Charisma entsteht, habe ich in einem Modul hier beschrieben.

Jenseits seines lawinenartigen Auftretens, egal wo er hinkam, hat er es verbal geschafft, Menschen mit der Idee, ihr Stammesführer sein zu können, infiltriert. Durch immer wieder kehrende Lobhudeleien über sich selbst. Irgendwann glaubten die Menschen das alles. Das Gehirn eines Menschen funktioniert überaus effizient. Es sucht sich den leichtesten Weg. Anders wäre ein Überleben über einen Zeitraum von Jahrmillionen nicht möglich gewesen. Jedes Mitdenken beansprucht Energie. Jedes Abwägen oder Zweifeln mindert die zur Verfügung stehenden kognitiven Ressourcen zeitweilig. Da lechzt das Gehirn schon eher nach Botschaften, die schnell und redundant tief ins limbische System eindringen und das Denkhirn nur freudig abwatschen: „Ich gut für dich! Glaub mir, ich gut für dich, weil ich groß, stark, erfolgreich!“

Trump benutzt viele psychologische Tricks, die unbewusst betörend auf sein Publikum wirken und ihn als potentiellen Stammesführer erscheinen lassen könnten.

  • Er hat eine ganz ansehnliche Frau an seiner Seite. Banal, aber es spielt mit: Seine objektiv betrachtet und nach klassischen Schönheitsmerkmalen beurteilt schöne Frau. Unser Steinzeithirn zieht den effizienten Rückschluss: Wenn er so eine tolle Frau hat, muss er Führungsqualitäten haben.
  • Er macht alle anderen nieder. Zu behaupten, die anderen seien alle böse, weckt im Stamm das Gefühl, dass sie einen Beschützer brauchen. Und Trump hat auch schon die Lösung dafür: Sich selbst.
  • Er findet sich großartig. Das ist das, was sich viele von sich selber wünschen, aber nicht tun.
  • Er verwendet immer wieder Superlative im Zusammenhang mit seiner Person: beste, größte, weiteste, mächtigste, erfolgreichste… irgendwann greift diese Strategie und das Gehirn der Leute verbindet nach einer angemessenen Wahlkampfperiode mit Trump alles, was ein Stammesführer haben muss. Mentalisten verwenden solche sprachlichen suggestiven Tricks um das Publikum zu beeinflussen.
  • Er macht sich zum Superhelden. Wenn man bedenkt, dass wir bis vor 400.000 Jahren ausschließlich Sammler waren und ständig auf der Flucht vor allem, was uns über Kniehöhe ging, ist es leicht verständlich, dass wir einen Superhelden brauchen. 2 Millionen Jahre und noch mehr verschreckte uns der bloße Anblick eines Augenpaares im hohen Gras oder das nicht identifizierbare Rascheln hinter dem Busch. Unser steinzeitliches Denken – wenn man das überhaupt so nennen darf – schlägt freudig die Arme auseinander und heißt jemanden willkommen, der laut brüllend vorgibt, sich um Ressourcenvergrößerung, Sicherheit und Zusammenhalt des Eingeborenenstammes zu kümmern. Jemand, der im Buhlen um wahlberechtigte Unterstützer Krieg androht, hat beim fragilen Homo Sapiens verloren. Trump indes hörte nicht auf zu suggerieren: Ich weiß, wie man Beute beschafft, ich weiß, wie man tolle Ladies für gutes Genmaterial = Reproduktion beschafft, ich brülle die Angreifer einfach nieder. Homo sapiens’ empfindliches, schutzbedürftiges Bauchhirn denkt: „Bei dem muss ich mich nicht kümmern, der macht das schon. Der sorgt für uns. Huga huga.“

Er hat gezaubert, getrickst und gewonnen.

 

Wenn ich in speziellen Führungskräfteseminaren oder im Einzelcoaching an Charisma arbeite und die Manager frage, ob dieses Verhalten zur Nachahmung ermuntert, weil es doch erwiesenermaßen erfolgreich ist, höre ich: „Da bleibe ich lieber so, wie ich bin.“ Und die, die das gesagt haben, haben dadurch mehr positive Ausstrahlung als Trump je in auch nur einer Zelle seines Körpers haben wird.