Wie Frauen Entscheidungen treffen…

„Ich kann mich nicht entscheiden!“

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Doch, das kannst du. Du musst es nur tun wie die Einzeller.

Schon in Einzellern ist ein genetisches Programm verankert, das sie zielsicher in genau die Richtung führt, die bessere Lebensumstände bietet. Sie haben so zusagen eine eingebaute Schlaraffenlandnavigation.

Tja, nun sind wir aber eigentlich keine Einzeller, sondern wesentlich komplexere Modelle. Die meisten von uns jedenfalls.

Können wir trotzdem Entscheidungen treffen, die uns in die richtige Richtung führen?

Aber ja! Wir sollten von unserem Gehirn lernen. Unser Gehirn ist in der Lage, in Windeseile eine unglaubliche Menge von Informationen zu sammeln und zu bewerten. Es ist dabei in der Lage die Guten ins Töpfchen und die schlechten ins Kröpfchen zu packen. Wie eine gut strukturierte Informationsmülldeponie. Nicht wichtig = weg damit.

In unserem Leben aber sammeln wir aber ALLES, was uns unter die Finger oder in den E-Mailordner kommt. Wir glauben manchmal, ALLES ist wichtig. Aber wohin führt das? Es führt zu einem Informationsoverflow, der uns überall hinführt, nur nicht zu dem Ziel, das wir uns gesetzt haben. Würde sich unser Gehirn so verhalten, wären wir nicht in der Lage, eine einzige Entscheidungen zielführend zu treffen. Auf einzellerisch in Bezug auf Nahrungsbeschaffung und Reproduktion ausgedrückt, hieße das: „Wir würden elendig verhungern… ganz zu schweigen von der fehlenden Fortpflanzungsmöglichkeit.“

Entscheidungsfindung ist Schwerstarbeit, besonders für Frauen

Im Gehirn gibt es 5 Millionen Informationsbeschaffungszellen und 4 Millionen ausführende Zellen. Es gibt aber 1 Milliarde Informationsverarbeitungszellen. Das bedeutet: Informationen zu verarbeiten kostet am meisten Energie. Nicht das pure Erhalten von E-Mails, nicht das Erleben von Situationen oder das Heranschaffen von Wissen ist anstrengend, sondern das Umsetzen. Das Denkhirn ist das, was die Arbeit macht.

Nehmen wir doch mal den Findungsprozess, wenn ein Mann eine Frau zu einem Date zum Essen einladen möchte: Die Informationsbeschaffungszellen melden „Er hat gesagt, wir gehen essen.“ Über Körpersprache, Stimme, Geruch, Körperbewegung, Mimik (inklusive Blick) und Körperhaltung bekommen wir in der zwischenmenschlichen Kommunikation mehr als genug Informationen. Wenn wir aber keine dieser Informationen, oder nur wenig davon, bekommen, dann müssen wir mit dem klarkommen, was wir haben. Bevor wir als Frau also zu einem Quasiblinddate gehen und die ausführenden Zellen loslegen können, müssen erst folgende Verarbeitungsprozesse ablaufen: „Was zieh ich an, wo gehen wir hin, ist meine Frisur angemessen, werde ich etwas trinken, fahre ich mit dem Auto, gehen wir danach zu mir, habe ich Wein zu Hause, ist das Bett frisch überzogen, was mich wieder zu der Frage bringt: Was ziehe ich drunter? Frottee, bauchweg oder String? Holz vor der Hütt’n Push-up oder die etwas androgyne, aber dafür ehrliche BH-Variante? Was werden wir reden? Am besten ich bereite meinen Lebenslauf vor, damit es nicht zum peinlichen Schweigen kommt…“

Mehr Informationen führen zu klareren Entscheidungen

Nach dem ersten vollzogenen Date beginnt das Lernen aus der gemachten Erfahrung. Das Ziel wird klarer. Für weitere Entscheidungen liegen bereits zielführende Informationen vor. Unwichtige Informationen werden sofort gelöscht und kommen auf die Infomülldeponie. Er hat vier Geschwister: gelöscht. Er war mal zwei Wochen in Los Angeles: gelöscht. Er hat in der Schule mal geschummelt: gelöscht. Dagegen werden wichtige, zielführende Informationen gespeichert und in zukünftige Handlungen integriert. Er hat mir in den Mantel geholfen (bedeutet, er kümmert sich um mein Wohl): Check. Er hat ein so liebes Lächeln (suggeriert unserem Unterbewusstsein, dass er gut zu unseren Kindern sein wird): Check. Er mag gerne Rotwein: Check. Er hat keinen Ehering und auch keine blasse Stelle am Ringfinger: Check. Er hat das Essen bezahlt und war spendabel (in der Steinzeit hätte er mir ein erlegtes Tier vor die Höhle gelegt = kann für die Familie sorgen): Check. Er ist handwerklich begabt und macht es auch gerne (kann frau immer brauchen): Check. Er bringt mich zum Lachen: Check. Folgerung: Das wird mein Stammesführer.

Entscheidungen zu treffen unterliegt also folgendem Ablauf (am Beispiel des Dates):

1Die Frau bekommt auf einer Onlinedatingplattform allerlei Informationen über allerlei Männer (alle 5 Millionen Informationbeschaffungszellen sind aktiviert).

2Die Frau prüft die Qualität der Informationen, entscheidet, welche wichtig sind und nimmt nur die, die für ihr Ziel passen. Die anderen wandern auf die Informationenmülldeponie.

3Nun vernetzt sie die Informationen mit Hilfe ihrer Erfahrung und Erinnerung. Dabei spielen mit bestimmten Informationen verbundene Gefühle eine große Rolle (sei es ein Geruch, eine Stimme, ein Dialekt oder eine bestimmte Musikrichtung, die er bevorzugt)

4Dabei empfindet sie Lust oder Frust und entscheidet sich für einen ganz bestimmten Mann, mit dem sie genügend positive Gefühle verbindet (das kann auch nur unbewusst stattfinden)

5Die Verarbeitung der 5 Millionen Vernetzungszellen hat ein Ergebnis geliefert. Jetzt beginnt sie zu flirten mit all ihren Reizen und zur Verfügung stehenden angewandten Informationen.

64 Millionen ausführende Zellen arbeiten an der geplanten… Vereinigung. Viel Spaß.