Wahlkampf ist wie Flirten

„Willst du – Yvonne de Bark – mich zum Bürgermeister machen?
Mit mir wahlkämpfen in guten wie in schlechten Zeiten bis dass der Wahlsonntag uns scheidet?“ „Ja, ich will!“
„Und willst du – Bürgermeisterkandidat – mir zuhören, meine Ideen annehmen, dich von mir beraten und motivieren lassen bis dass du der strahlendste und eloquenteste Gast auf jedem Stand und Fest bist?“ „Ja, ich will!“
Dann lass uns zu einer Wahlkampfeinheit verschmelzen.

Der Vertrag eines Wahlkampfmanagements wird mit Blut und Schweiß unterschrieben. Von beiden Seiten.
Und dann wird gekämpft. Über Wochen und Monate.

Kommunikation (wie soll meine Botschaft unmissverständlich beim Empfänger ankommen)
Facebook (wie genau treffe ich den richtigen Ton in der Kommunikation mit dem Bürger und kann im gleichen Post meine Inhalte transportieren)
Videos (wie zeige ich, dass ich die Anliegen der Bürger kenne, wie wirke ich dabei sympathisch, kompetent und zeige, dass ich umsetzen werde)
Fotos (wie kann ich einen Wiedererkennungswert kreieren, der beim Betrachter positiv mit der Person verbunden wird)
Flyertext (wie kann ich bürgernah, mit treffenden Worten kompakt meine Inhalte vermitteln)
Homepage (was wollen Bürger über den zukünftigen Bürgermeister wissen und wie kann ich das alles kompakt und „menschelnd“ bedienen)
Interviews (welche Inhalte sind bei Interviews wichtig, wer ist meine Zielgruppe)
Rhetorik/Körpersprache (der Mensch verbindet, die Kompetenz überzeugt)
Reden (wie übermittle ich Begeisterung und Leidenschaft für meine Themen und für meine Stadt)
Präsentation (wie kann ich mit meinen Themen überzeugen und begeistern)

Ein Bürgermeisterwahlkampf besteht meines Erachtens aus drei Hauptpunkten: 
Der Bürger muss mich verstehen.
Ich muss als Kandidat sichtbar sein und zwar in direktem Kontakt zum Bürger.
Meine Inhalte und Themen müssen kompetent, glaubwürdig und umsetzbar sein.

Der Kandidat geht während eines Wahlkampfes in den zwischenweltlichen Zustand des klassischen Werbens über. Zwar werden hier keine Reproduktionsgedanken gehegt, wie beim Werben um einen Partner, aber die Intensität und das Ziel sind das gleiche: Der Werbende will und muss gefallen. Er muss Herzen gewinnen und am Wahlsonntag das Kreuzchen am richtigen Fleck bekommen.

Wahlkampf ist wie Flirten. 
Es geht bei beidem um dein Gegenüber und nicht um dich. Stell dich auf dein Gegenüber ein, hol ihn da ab, wo er sich befindet und gib ihm das Gefühl, etwas besonderes zu sein. Als gelernte Schauspielerin weiß ich, dass so etwas nur funktioniert, wenn ich innen fühle, was ich nach außen zeigen will.
Mein Kandidat hat niemals auch nur ein schlechtes Wort über seine Mitbewerber oder Gesprächspartner gesagt und hat aufkommende Kritik als Geschenk angenommen, etwas zu verbessern. Und noch etwas: Lügen haben sowohl beim Flirten wie auch im Wahlkampf kurze Stummelbeine.
Willst du eine lange und stabile Beziehung eingehen, solltest du bei der Wahrheit bleiben.

Ich denke, einen Wahlkampf zu koordinieren mit all dem, was dazu gehört, war für mich eine der größten Herausforderungen der letzten Jahre.
Wir haben gewonnen. 58% im ersten Wahlgang gegen zwei Gegenkandidaten!

Ich mache das gerne nochmal. Aber jetzt lehne ich mich zurück… und genieße.