Martin Schulz – Macher oder Lacher?

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Mehr Mensch als Maschine

„Ich bin nett.“

Er lächelt viel, er lächelt echt, er gibt allen das Gefühl „einer von uns“ zu sein. Wobei „uns“ natürlich ein Synonym für die aktuellen (Stand Anfang Februar 2017) Umfragewerte ist.

Es menschelt stark, wenn Martin Schulz leicht unsicher und überrascht von der ihm entgegengebrachten Euphorie in die Menge lächelt und dabei die Augenbrauen hebt. Augenbrauen zu heben, öffnet den größten Informationsaufnahmekanal, den wir haben. In Kombination mit einem Lächeln suggeriert das dem Gegenüber: „Ich bin nicht gefährlich. Im Gegenteil, ich bin freundlich.“ Und Freunde brauchen wir. Vielleicht auch gerade in diesen Zeiten, in denen Mauern errichtet werden sollen und Menschen vorgeworfen wird, aufgrund ihrer Herkunft am falschen Ort zu sein. In diesen Zeiten, in denen es an der Stabilität des Zusammenhaltes rüttelt, weil einer der mächtigsten Männer der Erde sich ununterbrochen auf die Brust schlägt und irgendwas mit „Americas Fürst“ röhrt.

 

„Ich bin durchsetzungsfähig.“

Die Gesellschaft hat nun einen „Freund“ in Schulz gefunden. Was ist aber mit Sicherheit? Sie ist ausgehungert nach Stabilität. Auch hier wissen Martin Schulzes Berater, was zu tun ist. Seine Körpersprache wirkt freundlich, kompetent und gewinnend. Er steht mit beiden Beinen fest auf der Erde, hält den Blickkontakt zum Publikum (da ist noch Luft nach oben), setzt Gesten gezielt ein und genießt die Bühne. Seine rote, weißgepunktete Krawatte wirkt bodenständig und zugänglich. Wenn er sich echauffiert, hören ihm seine Anhänger gebannt zu. Schulz spielt mit der Modulation in seiner Stimme (auch hier ist noch Luft nach oben).

Es strotzt nur so vor Durchsetzungskraft, wenn Schulz ganz in seinem Element spricht und auch mal die Pferde mit ihm durchgehen. Auch wenn es in seinem Fall angenehm ungefährlich wirkende Ponys sind im Gegensatz zu einer trumpelnden Bisonherde.

Schulz war einst Trinker. Er hat es geschafft davon loszukommen. Das heißt, er hat augenscheinlich enorme Willenskraft und Durchhaltevermögen. Das zeichnet einen guten Stammesführer aus und macht ihn sympathisch.

Warum trifft er mit seinem Auftreten zwischen Nettigkeit und Emotionalität genau ins Schwarze? Weil die Welt unter Schock steht und nach Erklärungen sucht. Nach Menschen. Nach Sicherheit und Schutz. Schutz des eigenen Stammes. Vor einem lauten, pöbelnden Präsidenten, der in den Augen vieler all das gefährdet, was wir in Jahrtausenden der Evolution erkämpft haben. Da kommt einer daher, der alles das verkörpert, wonach unsere niedergetrumpelte Seele lechzt.

 

Und hier bitte ich im glänzenden See der Euphorie ganz postfaktisch zurück zu rudern. Denn Gesten, Mimik, Stimme, Rhetorik ist eine Sache. Empathie und Emotionalität ein weiteres gewinnendes Vehikel auf dem Weg zum Menschenfänger. Aber wenn die Inhalte nicht überzeugen, wird er nicht punkten können. Da hilft kein Lächeln und auch keine Punktekrawatte.