Clown

Die gruselige Geltungssucht der Clowns

soundcloud

Ich habe Angst. Weil Kinder plötzlich Alpträume haben und nachts weinend aufwachen. Weil ich mit aufgestellten Nackenhaaren an Gebüschen vorbeigehe und jederzeit bereit bin, mit meiner Körpersprache meinen Unmut zu signalisieren, falls ein Möchtegerngruselclown mir seine Aufwartung machen möchte.
Er muss damit rechnen, die einschlägige Wirkung meines Fußes in seinem Hodensack zu spüren. Mit Körperhaltung kenne ich mich aus und seine wird dann nicht mehr besonders kompetent aussehen.

Warum Clowns? Clowns dürfen alles. Sie haben Narrenfreiheit, weil sie nicht erkannt werden. Ihre Mimik ist starr grinsend. Sie treten aus der Anonymität des Internets und leben ihr Haterdasein (das sind Menschen, deren Belohnungssystem dadurch stimuliert wird, dass sie andere beschimpfen) im realen Leben aus. Sie wollen bewirken. Das befriedigt ihre Sucht nach Anerkennung. Das kenne ich von kleinen Kindern, die so lange Ärger machen bis sie Aufmerksamkeit bekommen und lernen: „Hey, wenn ich den Kevin haue, dann schimpft mich die Mama und gibt mir Aufmerksamkeit! Also haue ich doch gleich noch mal.“

Böse zu sein und dabei nicht einmal erkannt zu werden. Das ist doch der Traum eines jeden Depressiven. Aber sich hinter einer Maske an weinenden Kindern zu ergötzen ist mehr als bemitleidenswert.

Was passiert gerade in den Medien? Die Clowns dürfen sich nicht nur an der kläglichen Aufmerksamkeit des erschreckten Kindes erfreuen. Nein, ganze Sender berichten darüber! Ich mache das Gleiche. Ich widme mich dem Thema und schenke ihm Aufmerksamkeit. Ich bin genau so blöd, wie alle anderen. Aber ich kann nicht anders.

Da habt ihr den Ruhm, den ihr euch immer gewünscht habt, ihr doofen Clowns. Warum doof? Weil sowieso keiner erkennt, dass ihr es wart und da könnt ihr noch so laut herumposaunen, wie cool ihr seid. Es glaubt euch eh keiner! Und an eurer Stelle wäre ich vorsichtig. Wagt es nicht, mir zu begegnen, denn ich habe nicht ganz so viel Schminke im Gesicht, aber ich habe wenigstens Eier in den Stöcken, euch ohne Maske gegenüber zu treten!

Ich verabschiedete heute morgen meinen Sohn mit den Worten: „Viel Spaß in der Schule und hüte dich vor den Clowns.“ Er entgegnete cool: „Ach weißt du Mama, wenn ich einem begegne, dann hab’ ich wenigstens ein Trauma, an dem mein Therapeut später arbeiten kann.. “